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Ortsgeschichte Döteberg

Das Dorfwappen lehnt sich an das einstige Wappen bzw. Siegel des Adelsgeschlechts ,von Döteberg' an, welches Anfang des 13. Jahrhunderts im Zuge der Ostkolonisation nach Mecklenburg wanderte. (Entwurf Hermann Budenberg 1948)

Ausführliche Informationen zu den Ortswappen der Seelzer Stadtteile


Nach den Erkenntnissen und Mutmaßungen der Ortsnamenforschung gehören Orte mit dem Namensteil ,-berg' im Calenberger Land einer spätsächsischen Siedlungsperiode etwa des 8. Jahrhunderts an. Auch die Hanglage Dötebergs am Linnenberg spricht für diese Datierung. Der Fund eines tönernen Spinnwirtels etwa aus dem 9./10. Jahrhundert (s. Foto) wäre demnach der Frühphase der Siedlung zuzuordnen, die seinerzeit kaum mehr als eine Handvoll Bauernhöfe gezählt haben dürfte.

Bei der Deutung des Ortsnamens gibt es verschiedene umstrittene Ansätze. Am plausibelsten erscheint zum einen die Variante, die das Grundwort von altsächsisch diet = Volk ableitet (also etwa: die Leute am Berg), zweitens die Herleitung von der indogermanischen Wurzel teu = Schwellung, Erhebung, Hügel. In letzterem Fall hätten also beide Namensteile eine ähnliche Bedeutung.

Älteste Urkunde von 1126

Die erste, wenngleich nicht vollständig gesicherte, urkundliche Erwähnung Dötebergs erfolgte wohl 1126. (Dieselbe Urkunde war von Gottfried Wilhelm Leibniz auf 1106 datiert worden, weshalb das Dorf 1957 - mit einem Jahr Verspätung - sein 850jähriges Bestehen gefeiert hat.) Zu dieser Zeit war Döteberg in den Go Seelze eingebunden, eine Art mittelalterlichen Verwaltungsbezirk, und gehörte auch zum Kirchspiel Seelze. Aus bis heute überlieferten Flurnamen kann vermutet werden, daß in Döteberg einst eine Kapelle aus der frühen christlichen Missionsphase gestanden hat, aber das bleibt Spekulation.

Ein 2015 nahe dem Dorf gefundenes vollständiges Grab eines höher gestellten Kriegers aus dem frühen Mittelalter läßt die Vermutung zu, daß die Siedlungsanfänge am Fuße des Linnenberges vielleicht bis in die Völkerwanderungszeit zurückreichen.

Seit dem Mittelalter nach Seelze orientiert

Fest steht, daß die Döteberger rund 900 Jahre lang nach Seelze zur Kirche gingen. Dort auf dem Kirchhof, später auf einem separaten Friedhof (Alter Friedhof Seelze) hatten die Hofstellen bzw. Bauernfamilien ihre Begräbnisstätten; der Döteberger Friedhof wurde erst 1907 (nach dem Dorfchronisten Hermann Budenberg erst 1915) angelegt. 1959 wurde Döteberg aus dem Kirchspiel Seelze ausgepfarrt, seit 1962 hat das Dorf eine eigene Kapelle (eingeweiht 1963, benannt nach Michael von Obentraut, der 1625 bei einem Gefecht bei Seelze ums Leben kam) und ist heute mit Harenberg in einer Pfarrgemeinde verbunden.

Im Gefolge der Pestzüge ab Mitte des 14. Jahrhunderts kam es nach rund dreihundertjährigem Wachstum zur sogenannten spätmittelalterlichen Wüstungsperiode, die gleichzeitig eine Phase der Siedlungskonzentration einleitete. Im Calenberger Land wurden etwa 40 Prozent der Siedlungsplätze aufgegeben, darunter auch Dötebergs Nachbardorf Immendorf (heute dort die Harenberger Mühle). Die verbleibenden Ortschaften wuchsen im Zuge dieser Entwicklung und erhielten im wesentlichen jene Gestalt, die den Dorfkernen zumeist bis weit ins 20. Jahrhundert verblieben ist.

Die Bevölkerung vom 16. Jahrhundert bis heute

Aus einer Kriegsschadenliste des Jahres 1572 ist zu ersehen, daß Döteberg seinerzeit schon auf mindestens 17 Hofstellen angewachsen war, nach dem Lagerbuch des Amtes Blumenau (1600) waren es dreißig Jahre später 19 Höfe. Doch schon zu dieser Zeit hatten sieben Stellen nicht genügend Land, um von dessen Bewirtschaftung den Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie mußten also wohl als Tagelöhner auf den größeren Höfen arbeiten. Anders als in den meisten Dörfern des Amtes Blumenau gab es in Döteberg im 17. Jahrhundert keinen Krug.

Aus einer Kopfsteuerbeschreibung von 1689 läßt sich erstmals eine Bevölkerungszahl ermitteln: Auf inzwischen 21 Hofstellen lebten 145 Menschen. Zwei Kleinkötner betrieben eine Ölmühle.

Erst im 19. Jahrhundert ist ein deutliches Wachstum des Dorfes festzustellen, doch waren die neu gegründeten Hofstellen in aller Regel nur mit Gartenland ausgestattet; die Inhaber übten entweder ein ländliches Handwerk aus (Leineweber, Tischler, Schuhmacher, Hausschlachter usw.) oder verdingten sich als Tagelöhner in der Landwirtschaft. Nach der Klassensteuerliste von 1873 lebten auf 32 Stellen 259 Menschen, 1878 waren es schon 279 auf 36 Stellen. Heute (2018) hat Döteberg rund 330 Einwohner und hat sich damit einen Teil seiner dörflichen Struktur bewahrt.

Eisenbahn und Agrarreformen

Wenn auch die seit 1847 am Seelzer Bahnhof haltende Eisenbahn ein Stück von Döteberg entfernt verlief, so hinterließ sie doch auch hier ihre Spuren. Da Bekleidung und Schuhwerk im 19. Jahrhundert noch handwerklich (nicht als Konfektion in Fabriken) gefertigt wurde, nutzten viele Schuhmacher (in Döteberg gab es bis zu 15) und Schneider das neue Verkehrsmittel, um schnell und bequem zu ihrer Kundschaft zu gelangen. Und so war der "Anhaltsweg", nämlich der Weg zum Seelzer Eisenbahn-Anhalt, seinerzeit vielbegangen.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam es auch zu der größten Umwälzung in unseren Dörfern seit dem Mittelalter. Die jahrhundertealte Grundherrschaft mit allen Diensten und Abgaben wurde abgelöst, die Bauern wurden freie Eigentümer ihrer Höfe und Ländereien, und die Feldmark wurde völlig umgestaltet, so daß erstmals größere zusammenhängende Ackerstücke zu den Höfen gehörten, die dann bald auch mit den ersten Maschinen bewirtschaftet werden konnten. Erstmals waren damit Bedingungen dafür geschaffen, daß der Bauer zum "Unternehmer" werden konnte. An dem schlichten dörflichen Charakter, den sehr einfachen ländlichen Lebensverhältnissen änderte sich aber so schnell nichts.

Tiefgreifender Wandel im 20. Jahrhundert

Doch die tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jahrhunderts, insbesondere der Zeit seit dem 2. Weltkrieg, haben auch vor Döteberg nicht haltgemacht. Stichworte dazu sind die vielfältigen Veränderungen in der Landwirtschaft (von der Mechanisierung über die Chemisierung bis hin zur Industrialisierung) und der Einfluß der nahen Großstadt auf Lebensstil und Bevölkerungsstruktur. Die Döteberger, die im 20. Jahrhundert größtenteils von der Landwirtschaft und typisch ländlichem Handwerk und Gewerbe lebten, gehen heute nur noch ausnahmsweise einem Broterwerb in ihrem Dorfe nach.

Ein paar Notizen zur Entwicklung in den letzten hundert Jahren: Um 1900 gab es in Döteberg 15 selbständige Schuhmacher, die den nahen Seelzer Bahnhof (seit 1847) nutzten, um ihre Kundschaft in Hannover und Linden zu bedienen. 1909 wurde Döteberg an die elektrische Stromversorgung angeschlossen, 1952 an die Harzwasserleitung; 1956 stand das erste Fernsehgerät in einer Döteberger Stube. 1953 bekam das Dorf die erste Asphaltstraße, fünf Jahre später wurden Hinweisschilder für den Überlandverkehr aufgestellt, 1962 gab es im Dorf 23 Pkw.

1952 arbeiteten noch 42 Pferde in der hiesigen Landwirtschaft, zehn Jahre später waren es nur noch zwölf; dafür gab es inzwischen 14 Traktoren. 1954 schaffte der erste Döteberger Bauer einen Mähdrescher an, 1962 gab es im Dorf schon neun dieser Erntemaschinen.

Die Dorfschule

Die erste Schule für Döteberger Kinder war ab 1584 die zentrale Kirchspielschule auf dem Seelzer Kirchhof. Gut hundert Jahre später (vermutlich um 1690) richteten die Döteberger - wie damals üblich, auf Kosten der Gemeinde - die erste eigene Schule ein. Das Haus, in dem unterrichtet wurde, soll "südlich am Eingang der Straße Im Busche" gestanden haben (Dorfchronist H. Budenberg).
1786 wurde das Haus Nr. 39 am Dorfplatz zum Schulhaus umgebaut. Doch dürfen wir uns darunter keinen Zweckbau vorstellen. Es diente dem Schulmeister und seiner Familie als Wohn- und Wirtschaftsgebäude, und in der Wohnstube des Lehrers fand der Unterricht statt. Doch als 1867 die Zahl der Schulkinder auf über 60 gestiegen war, baute man seitlich ein separates Schulzimmer an.

1914/15 wurde das dritte und letzte Schulhaus (Nr. 22) mit zwei Lehrerwohnungen errichtet. In den 1950er Jahren wurden dort noch 50 bis 60 Kinder unterrichtet. Die niedersächsische Schulreform der 1960er Jahre brachte mit der Schließung der kleinen Dorfschule 1968 das Ende eines wichtigen Kapitels der Ortsgeschichte.

Doch trotz aller Veränderungen sind auch bedeutsame Kontinuitäten zu verzeichnen. Neben dem Erhalt eines weitgehend dörflichen Erscheinungsbildes mit entsprechenden nachbarschaftlichen Strukturen ist hier vor allem die seit dem Mittelalter bestehende Orientierung nach Seelze zu nennen. 1974 wurde Döteberg eines von elf Dörfern in der Großgemeinde (seit 1977 Stadt) Seelze.


Norbert Saul, Stadtarchiv

Haben Sie noch Fragen? Möchten Sie noch weitere Informationen? Dann schauen Sie doch mal bei der Liste Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte vorbei oder im Heimatmuseum Seelze.

Oder wenden Sie sich an das Stadtarchiv.