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Street-Art und Illumination setzen deutliche Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Diese Aktion zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen war nicht zu übersehen: Mit Street-Art sowie mit einer kraftvollen Illumination des Rathauses setzten die Mitglieder des Seelzer Runden Tisches gegen häusliche Gewalt gemeinsam mit Künstler Ole Görgens und weiteren Beteiligten zum sogenannten Orange-Day deutliche Zeichen – und regten damit eindrucksvoll zum Hinschauen und Nachdenken an.

„Häusliche Gewalt findet oft unbemerkt in der Mitte der Gesellschaft statt“, betonte Seelzes Gleichstellungsbeauftragte Gabriela Giesche zum Abschluss der von ihr initiierten Aktion mit dem Titel Schatten-Dasein. Selbst wenn Gewalt in der Partnerschaft etwa von Angehörigen oder Nachbarn bemerkt werde, werde diese aus falsch verstandener Zurückhaltung oft verharmlost oder sogar ganz verschwiegen. Dieses Problem betreffe Frauen und auch Männer aller gesellschaftlichen Schichten und sei somit nicht auf einen bestimmten Personenkreis zu reduzieren. 

„Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer oder sexualisierter Gewalt beziehungsweise Kombinationen davon betroffen“, hob Gabriela Giesche hervor. „Hinter jedem Fall steckt ein Gesicht – und daneben steht oft ein Kindergesicht“, ergänzte sie. Umso wichtiger sei es, das Bewusstsein für das Thema zu schärfen und somit dafür zu sorgen, dass Betroffene nicht alleingelassen und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu solle die Aktion in Seelze beitragen. „Wir unterstützen mit Schatten-Dasein ein gesellschaftliches Klima, in dem Gewalt an Frauen und Männern verurteilt wird. Das muss unser aller erklärtes Ziel sein“, befand die Gleichstellungsbeauftragte.

Dies wurde an den beiden Aktionstagen deutlich und bleibt auch darüber hinaus über mehrere Wochen in Seelzes Stadtzentrum nachhaltig sichtbar: Vom Platz Alten Krug bis zum Rathausplatz sprühten Mitglieder des Seelzer Runden Tisches gegen häusliche Gewalt und Künstler Ole Görgens mithilfe von Schablonen und Sprühkreide große Heftpflaster-Abbildungen auf den Gehweg und animierten unter anderem Passantinnen und Passanten dazu, spontan dabei mitzuhelfen. Auf diese Weise wiesen alle Beteiligten symbolisch auf die die oft gravierenden Verletzungen hin, zu denen physische und sexualisierte Gewalt bei den Betroffenen führt. Zum Abschluss am Freitagabend wiesen zusätzlich großformatig an die Rathausfassade projizierte Animationen auf dieses Problem hin. Sechs Stunden lang rückten diese das Thema mit entsprechenden Zahlen und Schlagworten in den Mittelpunkt und stellten zudem eine Reihe von Hilfsangeboten, an die sich Betroffene in Seelze und Umgebung wenden können, vor. 

„So leuchtet das Rathaus selten“, zeigte sich Katharina Krüger von der Frauenberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt in Garbsen und Seelze beeindruckt. Die Aktion Schatten-Dasein sei sehr gut geeignet, den Fokus auf dieses oft mit Scham und Betroffenheit behaftete Thema zu lenken. „Und sie ist eine gute Möglichkeit, in Kontakt und ins Gespräch zu kommen“, sagte sie. Das sah auch Bettina Vorbeck von der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Neustadt so. „Es ist wichtig, Menschen auf dieses Problem hinzuweisen und ihre Aufmerksamkeit dafür zu schärfen, dass viele der betroffenen Frauen nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen“, betonte sie. Daher sei es wichtig, dass Frauen in derartigen Situationen von ihren Nachbarn, Angehörigen oder Freunden bei der Suche nach Hilfe unterstützt würden.

Nisa Schulz und Lisa Bogalski von der Kanzlei Neues Haus, die in Hannover und Garbsen eine Rechtsberatung für Betroffene anbietet, waren sich einig, dass die Aktion Schatten-Dasein dazu einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Sie seien mit vielen Passantinnen und Passanten ins Gespräch gekommen und hätten auch zahlreiche Flyer mit Informationen verteilen können. Dabei seien alle Reaktionen durchweg positiv gewesen, betonte Nisa Schulz. „Es hat sich gelohnt“, befand Lisa Bogalski. Und in den Gesprächen habe sie eine Wirkung der verstärkten Öffentlichkeitsarbeit bemerkt. „Ich glaube, das Thema ist in den vergangenen Jahren schon viel präsenter geworden“, sagte sie.

Viele weitere Eindrücke von der Aktion Schatten-Dasein und Informationen zu Hilfsangeboten in Seelze und Umgebung sind in einem neuen Video verfügbar, das über den städtischen Youtube-Kanal hier abrufbar ist: https://youtu.be/Yr3s5t1Bhuk