seelze.de
NAVIGATION

Krieg in der Ukraine: Erste Geflüchtete ziehen in Gemeinschaftsunterkunft im Bürgerhaus Lohnde ein

Knapp vier Wochen nach Beginn des Krieges in der Ukraine hat die Stadt Seelze am Dienstag die dringend benötigte Gemeinschaftsunterkunft im Bürgerhaus Lohnde fertiggestellt. Bereits am frühen Nachmittag zogen die ersten Geflüchteten ein.

„Wir haben gestern den Anruf bekommen, dass heute 28 Menschen mit einem Bus bei uns ankommen werden“, sagte Bürgermeister Alexander Masthoff bei der Begehung der Unterkunft mit Ortsbürgermeister Manfred Grages, Rolf Zikowsky, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Lohnder Vereine, Katharina Eberhardt von der Feuerwehr Lohnde, Carsten Herrmann, Leiter der Abteilung Soziale Leistungen und Koordinator der städtischen Flüchtlingshilfe, sowie mit Stefan Oltsch, Leiter der Abteilung Soziale Betreuung. Die 28 Geflüchteten seien inzwischen zur Registrierung im Rathaus und würden in Kürze in Lohnde eintreffen. 

Zeitgleich erfolgten in der Sporthalle im Bürgerhaus Lohnde die letzten Vorbereitungen auf dem zum Schutz des Hallenbodens verlegten Teppich. In unterschiedlich großen Pavillion-Zelten stellten Beschäftigte der Stadtverwaltung und beauftragter Fachbetriebe sowie mehrere freiwillige Helferinnen und Helfer 38 Feldbetten für Erwachsene und acht Kinderbetten sowie an weiteren Punkten Stühle und Tische als Aufenthaltsbereiche auf. Vier Waschmaschinen in den Sanitärräumen im Untergeschoss waren zu diesem Zeitpunkt bereits angeschlossen. Beschäftigte der Lebenshilfe Seelze bereiteten unterdessen die Küche für die erste Essensausgabe vor. 

„Drei Mahlzeiten werden ab sofort täglich über die Lebenshilfe geliefert“, erklärte Carsten Herrmann. Für das Essen stehe einer der großen Sitzungsräume zur Verfügung, der zugleich als Aufenthaltsraum genutzt werden könne. Für die Kinder stehe zudem nachmittags ab 16 Uhr der Schulhof der Astrid-Lindgren-Schule samt der dortigen Spielgeräte zur Verfügung. Über einen Gebäudetechnik- und Sicherheitsdienst sei rund um die Uhr ein Ansprechpartner im Bürgerhaus. „Wir hoffen, im Rahmen unserer personellen Möglichkeiten hier vor Ort auch eine regelmäßige Sprechzeit anbieten zu können“, betonte Stefan Oltsch. Dort könnten die Geflüchteten dann viele Fragen klären und unter anderem Informationen zu Gruppenangeboten sowie zum Kita- oder Schulbesuch der Kinder und Jugendlichen erhalten. 

„Wir versuchen, uns so solidarisch wie möglich zu zeigen und das möglich zu machen, was möglich ist“, unterstrich Bürgermeister Alexander Masthoff angesichts der hohen Zahl der Geflüchteten, die täglich in Seelze und in der gesamten Region Hannover eintreffen. Inzwischen hätten rund 150 Menschen aus der Ukraine entweder bei Freunden oder Verwandten oder in von der Stadt angemieteten Wohnungen und anderen städtischen Unterkünften in Seelze eine Zuflucht gefunden. Der Zustrom sei im Vergleich zur Situation im Jahr 2015 während des beginnenden Krieges in Syrien eine noch größere Herausforderung, da sehr viele Menschen in sehr kurzer Zeit eintreffen würden. Deshalb sei eine Unterbringung der Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften zurzeit unumgänglich. „Unser Ziel ist es natürlich, dass wir die Gemeinschaftsunterkünfte so kurz wie möglich belegen und die Menschen in Wohnungen weitervermitteln können“, erläuterte der Bürgermeister. Zu diesem Zweck suche die Stadt Seelze weiter nach verfügbarem Wohnraum und sei für entsprechende Angebote dankbar. „Auch Wohnungsgenossenschaften und Hoteliers sind an uns herangetreten“, sagte er. Der Austausch zu den Möglichkeiten erfolge bereits intensiv. 

„Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir auf unbestimmte Zeit denken“, betonte Alexander Masthoff. Auch vor diesem Hintergrund sei er der gesamten Dorfgemeinschaft in Lohnde sehr dankbar, dass die Bürgerinnen und Bürger dies in großer Zahl mittragen und unterstützen. „Für die Vereine war es natürlich auch nicht einfach, dass sie das Bürgerhaus nicht mehr nutzen können“, sagte Ortsbürgermeister Manfred Grages. Das Bürgerhaus werde schließlich täglich von mehreren Gruppen genutzt, verdeutlichte Rolf Zikowsky. Doch das Verständnis und die Hilfsbereitschaft in Lohnde seien groß. „Die Damen vom Turnverein sind schon sehr engagiert. Sie wollen mit den Kindern etwas unternehmen, mit ihnen spielen und turnen“, nannte Manfred Grages ein Beispiel. Auch andere Gruppen hätten bereits ihre Unterstützung angeboten und würden tolle Angebote für die Geflüchteten planen. „Über die Interessengemeinschaft Lohnde können wir auch kurzfristig ganz viel organisieren“, kündigte Rolf Zikowsky an.

Für alle Fragen und Bedarfe von Geflüchteten sowie für Fragen und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern hat die Stadt Seelze eine zentrale Kontaktstelle eingerichtet. Unter anderem sucht die Stadt Seelze gezielt Menschen mit ukrainischen Sprachkenntnissen, die als Übersetzerinnen und Übersetzer helfen möchten. Das Service-Telefon ist montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr unter der Rufnummer (05137) 828477 erreichbar. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter eingeschaltet. Außerdem nimmt die Kontaktstelle Fragen, Anregungen und Hinweise per E-Mail an ukraine@stadt-seelze.de entgegen.

Aktuelle und ergänzende Informationen zu den weiteren Entwicklungen, zu aktuellen oder geplanten Hilfsangeboten und zur Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine veröffentlich die Stadt Seelze regelmäßig auf ihrer Internetseite www.seelze.de.